So funktioniert unsere KI – AI Literacy Guide
Onboarding- und Schulungsleitfaden für Hotelmitarbeiter (Nutzer) und das interne Discontinue-Team
Stand: 7. Juli 2026 · English version
Dieser Leitfaden erklärt in klarer Sprache, wie die Künstliche Intelligenz (KI) in Discontinue funktioniert, was sie kann, was sie bewusst nicht tut und worauf du beim Arbeiten damit achten solltest. Er ist Teil unserer Maßnahmen zur KI-Kompetenz (AI Literacy) nach Art. 4 der KI-Verordnung (EU 2024/1689).
1. Zweck & Geltung (Art. 4 KI-VO)
Art. 4 der KI-Verordnung verlangt, dass Anbieter und Betreiber von KI-Systemen für ein ausreichendes Maß an KI-Kompetenz bei allen Personen sorgen, die mit dem System arbeiten – also bei ihrem eigenen Personal und bei den Nutzern. Diese Pflicht gilt bereits seit dem 2. Februar 2025.
Dieser Guide erfüllt diese Pflicht für Discontinue und richtet sich an zwei Gruppen:
- Hotelmitarbeiter, die Discontinue nutzen (Reports und Agents erstellen, Nachrichten empfangen, Freigaben erteilen).
- Das interne Discontinue-Team, das die Plattform betreibt und weiterentwickelt.
Ziel ist, dass du KI-Ergebnisse richtig einordnen, sinnvoll nutzen und Fehler erkennen und melden kannst.
2. Grundverständnis: Was ist die KI in Discontinue – und was nicht?
Discontinue ist eine KI-gestützte Operations-Plattform für Hotels, die auf den vom Kunden angebundenen Quellsystemen (z. B. einem Property-Management-System) aufsetzt. Die KI ist ein Assistent, der dir hilft, deine Hoteldaten schneller in nützliche Reports und Abläufe zu verwandeln.
Stell dir die KI als sehr fleißigen Assistenten vor, der:
- deine Daten aus den angebundenen Systemen liest (standardmäßig nur lesen, über granulare, konfigurierbare Werkzeuge – jeder Agent nur mit dem für seine Aufgabe Notwendigen),
- daraus Reports strukturiert und verständlich formuliert,
- Nachrichten formuliert, die deine Agents verschicken,
- dir hilft, Reports und Agents per natürlicher Sprache einzurichten.
Die KI ist ausdrücklich kein autonomes System, das eigenständig über deinen Betrieb, deine Gäste oder deine Mitarbeiter entscheidet. Sie ist ein Werkzeug in deiner Hand: Wir stellen die Werkzeuge bereit, du baust damit, was du brauchst.
3. Was die KI tut – und was nicht
| Die KI tut das | Die KI tut das NICHT |
|---|---|
| Deine Daten aus den angebundenen Systemen lesen; Schreibvorgänge nur nach Freigabe oder Opt-in | Ohne deine Freigabe bzw. dein Opt-in eigenmächtig schreiben oder entscheiden |
| Reports strukturieren und formulieren | Autonome Entscheidungen über Gäste oder Mitarbeiter treffen |
| Agent-Nachrichten formulieren | Daten in die angebundenen Systeme schreiben ohne deine Freigabe (Approval-Queue) |
| Agents/Reports aus deiner Beschreibung konfigurieren | Automatisiertes Decision-Making i. S. v. Art. 22 DSGVO |
| Hinweise und Zusammenfassungen formulieren | Gäste bewerten, ranken oder „scoren" |
| Jeden Lauf protokollieren (Run-Trace) | Kennzahlen „erfinden" – Zahlen werden deterministisch berechnet |
Merksatz: Die KI strukturiert und formuliert. Sie entscheidet nicht, sie hat nur die Berechtigungen, die du ihr je Agent gibst, und sie schreibt nur mit deiner Zustimmung — einzeln über die Approval-Queue oder pauschal über dein ausdrückliches Opt-in je Agent.
4. „DU baust deine Reports und Agents – die KI hilft dir dabei"
Das ist der wichtigste Gedanke dieses Guides. In Discontinue bist du der Gestalter:
- Du entscheidest, welchen Report oder Agent du brauchst.
- Du beschreibst ihn in natürlicher Sprache – die KI übersetzt deine Beschreibung in eine Konfiguration.
- Du legst fest, wann er läuft, welche Daten er nutzt und über welchen Kanal er zustellt (E-Mail, von dir angebundene Chat-/Messaging-Dienste, Datei-Download).
- Du gibst Schreibvorgänge frei oder lehnst sie ab.
Das hat eine wichtige Konsequenz für die Verantwortung: Was du dir baust (z. B. ein bestimmter Report oder ein Agent), liegt in deiner Verantwortung als Betreiber deiner eigenen Daten – so wie bei jeder Automatisierungsplattform. Discontinue stellt das Werkzeug; die konkrete Anwendung gestaltest du.
Gegenstück: Vorlagen, die Discontinue selbst im Marketplace kuratiert, liegen in unserer Verantwortung. Deshalb bieten wir bewusst keine Vorlagen an, die Gäste bewerten, ranken oder „scoren".
5. Warum die Datenwerte korrekt sind – die Formulierung aber geprüft werden sollte
Ein häufiges Missverständnis: „Wenn KI im Spiel ist, sind die Zahlen vielleicht erfunden." Bei Discontinue ist das nicht so:
- Die Datenwerte stammen aus dem angebundenen System (deine Live-Daten) und werden für Kennzahlen wie ADR, RevPAR oder Belegung deterministisch in Python berechnet – nach festen Formeln, nicht von der KI geschätzt.
- Das KI-Element liegt in der Strukturierung und Formulierung – also darin, wie die Zahlen angeordnet, zusammengefasst und in Worte gefasst werden.
Was das für dich bedeutet:
- Die zugrunde liegenden Zahlen sind verlässlich (angebundenes System + feste Berechnung).
- Trotzdem kann die KI bei Strukturierung und Formulierung Fehler machen – etwa eine Zahl falsch einordnen, einen Zusammenhang missverständlich beschreiben oder einen Hinweis unpassend formulieren.
Checkliste – kritische Zahlen prüfen:
- Passt die Aussage des Reports zu den Zahlen, die du erwartest?
- Sind Zeitraum und Property korrekt benannt?
- Wirkt eine Zahl ungewöhnlich? Dann gegen das angebundene System gegenprüfen, bevor du darauf eine Entscheidung stützt.
- Ist die Formulierung eindeutig oder lässt sie sich missverstehen?
6. Umgang mit möglichen Fehlern – und wie du sie meldest
KI-Systeme können sich irren. Das ist normal und kein Grund zur Sorge, solange du es weißt und richtig damit umgehst.
Wenn dir etwas auffällt:
- Verlasse dich bei wichtigen Entscheidungen nicht allein auf die Formulierung – prüfe die kritische Zahl im angebundenen System gegen.
- Dokumentiere kurz, was dir aufgefallen ist (welcher Report/Agent, welcher Lauf, was war auffällig).
- Melde es uns: per E-Mail an office@discontinue.dev. Wir gehen jedem Hinweis nach.
Du erkennst KI-Inhalte immer an der Kennzeichnung – z. B. am Report-Fußtext „Dieser Report wurde automatisch erstellt … bitte prüfen Sie kritische Zahlen" oder am Hinweis „KI-generiert" bei Agent-Nachrichten.
7. Was Run-Traces sind – und wie du sie liest
Für jeden Agent-Lauf zeichnet Discontinue einen vollständigen Run-Trace auf. Das ist eine nachvollziehbare Spur dessen, was bei diesem Lauf passiert ist. Wir nutzen dafür Langfuse (Langfuse Cloud, EU-Region); die Verarbeitung findet in der EU statt.
Ein Run-Trace zeigt unter anderem:
- den Trigger (was den Lauf ausgelöst hat),
- einen Snapshot des System-Prompts,
- die Tool-Aufrufe mit ihren Parametern und Ergebnissen (welche Daten wurden gelesen),
- das verwendete Modell und den Verbrauch (in Euro ausgewiesen),
- die Zustellungen (an wen/über welchen Kanal),
- etwaige Fehler.
So liest du einen Trace:
- Wähle den betreffenden Agent-Lauf aus.
- Sieh dir den Trigger und die gelesenen Daten an – das erklärt, worauf der Lauf basiert.
- Folge den Tool-Aufrufen von oben nach unten – das zeigt, wie das Ergebnis entstanden ist.
- Prüfe die Zustellung und eventuelle Fehlermeldungen.
So kannst du jederzeit nachvollziehen, wie ein Ergebnis zustande gekommen ist. Run-Traces werden 12 Monate aufbewahrt, danach anonymisiert oder gelöscht.
8. Human-in-the-Loop / Approval-Queue verstehen
Discontinue verändert Daten in deinen angebundenen Systemen nie ohne deine Zustimmung. Was ein Agent darf, legst du über seine Berechtigungen fest — jeder Scope und jedes Werkzeug wird separat je Agent gesetzt. Standardmäßig durchläuft zudem jeder Schreibvorgang eine Approval-Queue:
Vorschlag durch die KI → Approval-Queue → Freigabe durch berechtigten Menschen → Ausführung
- Die KI kann einen Schreibvorgang vorschlagen (z. B. eine Notiz, eine Folio-Anpassung, ein Maintenance-Ticket).
- Ausgeführt wird er erst, wenn ein von dir benannter, berechtigter Mensch ihn freigibt.
- Jeder Schritt wird protokolliert.
Das nennen wir Human-in-the-Loop: Der Mensch behält die Kontrolle über alle Veränderungen. Lesende Vorgänge (Daten abrufen, Reports erstellen) laufen ohne Freigabe; schreibende Vorgänge laufen standardmäßig nie ohne menschliche Einzelfreigabe. Einzige Ausnahme: Du aktivierst für einen einzelnen Agent bewusst das Opt-in — dann führt genau dieser Agent Schreibvorgänge ohne Einzelfreigabe aus, weiterhin nur innerhalb der von dir separat gesetzten Berechtigungen. Diese Entscheidung triffst und bestätigst du selbst je Agent, sie ist jederzeit widerrufbar, und alle Vorgänge werden vollständig protokolliert.
9. Best Practices & verantwortungsvoller Einsatz
Tu das:
- Nutze die KI für Struktur, Übersicht und Formulierung – sie spart dir Zeit.
- Prüfe kritische Zahlen, bevor du Entscheidungen darauf stützt.
- Halte Freigaben in der Approval-Queue bewusst und prüfend – sie sind dein Sicherheitsnetz.
- Melde Auffälligkeiten, damit wir die Plattform verbessern können.
Lass das:
- Keine Bewertung, Rangfolge oder „Scoring" von Gästen oder Mitarbeitern aufbauen.
- Keine automatisierten Entscheidungen über einzelne Personen anstreben (das widerspricht Art. 22 DSGVO und unserer Plattform-Leitplanke).
- Dich nicht blind auf eine Formulierung verlassen, ohne die Zahl dahinter zu kennen.
- Keine besonderen Kategorien personenbezogener Daten (Art. 9 DSGVO) über die Plattform verarbeiten.
Warum „kein Gäste-Scoring"? Solche Anwendungen können in den Hochrisiko-Bereich der KI-Verordnung fallen und greifen in die Rechte einzelner Personen ein. Discontinue ist bewusst als Limited-Risk-System ausgelegt – ohne Profiling, ohne Scoring, ohne Entscheidungen über Individuen. Bitte halte dich daran.
10. Hinweise für die interne Team-Schulung
Dieser Abschnitt richtet sich an das Discontinue-Team und ergänzt die Kundendokumentation. Er stellt die KI-Kompetenz nach Art. 4 KI-VO auch intern sicher.
Schulungsinhalte (Mindestumfang):
- Funktionsweise, Grenzen und typische Fehlerquellen des eingesetzten KI-Systems.
- Rolle von Discontinue als Anbieter (Provider) des KI-Systems; Abgrenzung zum Anbieter des GPAI-Modells (Anthropic) und zum Betreiber (Deployer = Hotelier).
- Transparenzpflichten nach Art. 50 (KI-Labels, Report-Disclaimer, Transparenzseite).
- Überwachungs- und Protokollierungspflichten (Run-Traces in Langfuse, 12-Monats-Retention, geplantes wöchentliches Trace-Review und Alerting).
- Plattform-Leitplanke: keine Marketplace-Templates mit Rankings/Scoring/Bewertungen.
- Datenschutz-Grundlagen: Rollen (Verantwortlicher/Auftragsverarbeiter), Non-Training-Garantie und begrenzte Speicherdauer (max. 30 Tage), Drittlandtransfer (EU-SCCs + TIA).
Nachweis & Dokumentation der Schulung:
- Teilnehmer, Datum und Inhalt jeder Schulung werden festgehalten.
- Neue Teammitglieder werden im Onboarding geschult.
- Eine Auffrischung erfolgt anlassbezogen (z. B. bei neuem Modellanbieter oder wesentlicher Funktionserweiterung) und im Rahmen der regelmäßigen Compliance-Überprüfung.
- Die Schulungsdokumentation wird zusammen mit dem AI-Act-Compliance-Dossier aufbewahrt.
11. Kontakt
discontinue.dev MAS GmbH Bruno-Marek-Allee 5, 1020 Wien, Österreich Geschäftsführer: Stefan Starflinger Intern verantwortlich für Compliance: Adrian Schmidt (Business & Compliance)
- Allgemeine Anfragen / Fehlermeldungen: office@discontinue.dev
- Datenschutz: datenschutz@discontinue.dev
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